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Okt 11

Uggs hoch

Es klingelt jetzt auch nachts an Leas Haustür. Immer wieder um halb eins. Über Wochen. Einmal wird das Dach ihres Autos ramponiert. Leas Freund, glaubt den Email-Schreiber vor ihrem Haus erkannt zu haben. Im Sender geht ein anonymes Schreiben ein. „Du hast nun einen Feind. Und manche Menschen sollte man besser nicht zum Feind haben.“ Damit sitzt die Angst endgültig mitten in Leas Wohnzimmer.Ihr Arbeitgeber bestellt Personenschutz, bis Leas Freund endlich bei ihr eingezogen ist – obwohl das Paar das eigentlich gar nicht vorhatte. Sie geht nicht mehr allein zur Arbeit. Sie traut sich abends nicht mehr auf die Straße. Und sie erwirkt mithilfe der ffn-Anwälte beim Amtsgericht Hannover ein umfängliches Kontakt- und Annäherungsverbot nach dem Gewaltschutzgesetz für den verdächtigen Email-Schreiber.

Er soll mindestens 300 Meter Abstand zu Lea halten. Auch eine Annäherung auf dem Wege der Telekommunikation wird per Einstweiliger Anordnung untersagt, bei Zuwiderhandlungen drohen dem Beschuldigten bis zu sechs Monate Haft. Der legt Widerspruch ein. Die Angst bleibt.Wer Lea in diesen Wochen zuhört im Radio, der spürt nichts davon. Sie spielt die ihr vom Sender zugedachte Rolle als frischfreche blonde Radio-Frau perfekt, professionell. Das Wetter, der Verkehr, die Vandalen, die in Wolfsburg-Vorsfelde die Weihnachtsbeleuchtung kaputt machen; der Typ, der sich 180 Euro dafür bezahlen lässt, dass er anderen beim Sex zuschaut. Morgenmän-„Franky“ bietet dann gleich an, es auch für 50 Euro zu machen. Wie es eben so zugeht heutzutage, wenn man frühmorgens Radio hört.

Es ist Ende Oktober, als das Oberlandesgericht Celle den Beschluss des Amtsgerichts Hannover mit einem riesengroßen Fragezeichen versieht. Es gibt dem Widerspruch des Email-Schreibers statt, zunächst aus formalen Gründen. Es geht um die Ablehnung des Verfahrenskostenhilfegesuchs, dass der Beschuldigte gestellt hatte.Bemängelt wird aber auch, dass das Amtsgericht ihn nicht angehört hat, obwohl dieser jenseits des anzüglichen Email-Verkehrs sämtliche Vorwürfe bestreitet. Es gibt ja auch keine gerichtsfesten Beweise. Weder für Drohbrief, noch für die Sachbeschädigung am Auto, nicht einmal für die Anwesenheit vor Leas Wohnhaus. Es geht am Ende also darum, ob die aufdringlichen Emails aus dem April ausreichen für ein Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz.

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